Grotesker Vandalismus gegen eine Familie in Oestrich

3. März 2010 - 20:23

Oestrich. Es hat nicht den Anschein, als seien an der Oestricher Kühlingstraße Jugendliche oder sonstige Vandalen unterwegs, die wahllos Häuser und Autos beschmieren. Ganz im Gegenteil: Die Anschläge auf die Familie Wegner, die in der ersten Etage des Eckhauses Nr. 50 wohnt, sind offenbar gezielt.
Die rohen Eier haben deutliche Spuren an den Rollläden hinterlassen. Foto: Michael May/IKZ
Wer hinter den rohen Eiern an den Rollläden und der Sahne auf dem Auto steckt, kann Hans-Joachim Wegner allerdings beim besten Willen nicht sagen. „Wir pflegen einen ganz normalen, freundschaftlichen Umgang mit den Nachbarn”, versichert der 64-Jährige, der mit seiner Frau und früher auch mit seinen Kindern seit rund 35 Jahren in der Siedlung lebt.
Dafür kann er aber ziemlich genau sagen, wann und wie der Terror begonnen hat. „Das war Mitte Dezember, als ich am Abend meinen Wagen nicht in der Garage, sondern am Straßenrand geparkt hatte”. Am nächsten Morgen war sein Auto, das dicht neben anderen geparkten Pkw stand, der Einzige, der mit einigen rohen Eiern beworfen worden war. Zusätzlich waren einige Eier auch gegen den Rollladenkasten des Fensters, das zur Straße zeigt, geflogen. Schon damals, beim ersten Vorfall, sei klar gewesen, „dass es eine gezielte Attacke gegen uns war.” Und was im ersten Moment, noch nach einem harmlosen Streich klingt, gewinnt an Schwere, wenn man sich von Hans-Joachim Wegner schildern lässt, was es bedeutet, das aggressive, getrocknete Eiweiß, das hart wie Kleister auf dem Wagenlack klebt, wieder sauber weg zu bekommen.
Weiter ging es Silvester beziehungsweise am Neujahrsmorgen, als erneut die Rollläden und die Hausfassade mit Eiern beworfen worden waren. Wegen der Knallerei in der Nacht hatte das Ehepaar nichts gemerkt. „Eigentlich geht uns eine solche Beschädigung ja gar nichts an”, erklärt Wegner, dass nicht er, sondern die Dortmunder Wohnungsbaugesellschaft „Evonik Wohnen” Besitzer des Reihenhauses ist und damit auch für die Reinigung aufkommen muss. Wegen der Zielsicherheit, mit der es der oder die Übeltäter aber auf ihn und seine Frau abgesehen haben, hat er aber dennoch in beiden Fällen die Polizei gerufen, allerdings ohne Ergebnis.
Am Montag dieser Woche eskalierte die Sache dann. Frisch nach einem längeren Familienbesuch aus dem Schwarzwald zurückgekehrt, wurde ihnen gegen 19 Uhr quasi als Willkommensgruß das in der Garage geparkte Auto von oben bis unten mit Literweise Flüssigsahne beschmiert und die Innenwände der Garage mit rohen Eiern gepflastert. „Eine Riesensauerei, bei der auch die Polizisten mit dem Kopf schütteln mussten. So etwas hatten auch die noch nie gesehen.” Eine sofort eingeleitete Nahfahndung blieb aber ohne Ergebnis. Stattdessen wurde gegen 21.30 Uhr, kurz nachdem Hans-Joachim Wegner zusammen mit einem Bekannten die Schmierereien beseitigt hatte, an der Haustür Sturm geschellt. Später, ab 23 Uhr, flogen wieder Eier gegen zwei Rolladen sowie in den Briefkasten. „Das hat sich wie Schüsse angehört”, beschreibt Waltraud Wegner die beängstigende Situation. Gerade ihr hat dieser nächtliche Angriff nervlich stark zugesetzt. An Schlaf war kaum zu denken.
Die Polizei hatte daraufhin versprochen, verstärkt Streife an der Kühlingstraße zu fahren und die Angelegenheit im Auge zu behalten. Hans-Joachim Wegner erwägt bereits die Anschaffung von Scheinwerfern mit Bewegungsmelder, Alarmanlagen oder Videoüberwachung. Schließlich steigere sich das Ausmaß der Anschläge ja zusehends. Gleichzeitig möchte er seinen Fall aber auch über unsere Zeitung publik machen und bittet Anwohner und Nachbarn, die irgendetwas im Zusammenhang mit dem gezielten Vandalismus beobachtet haben, oder Hinweise auf möglich Täter geben können, sich bei ihm unter 02374/14019 zu melden.