Ein Karnevalsverein im Dornröschen-Schlaf

13. Februar 2010 - 12:33

Oestrich. Nicht nur in den Karnevalshochburgen, sondern auch im Sauerland schwappen die Wogen des närrischen Frohsinns hoch. Kaum ein Bürgersaal, Vereins- oder Pfarrheim, in denen nicht in diesen Tagen der Narhalla-Marsch erschallt.

Der Fasching sorgt in jedem Jahr in den heimischen Karnevalsvereinen, beispielsweise in Hennen oder in Menden für einen Ausnahmezustand. Nur in einem Örtchen nicht, obwohl es auch über einen Karnevalsverein verfügt: in Oestrich.

Auch wenn am Masten auf dem Dorfplatz noch ein Wappen des Karnevalsvereins „Rot-Weiß Oestrich” prangt, ist die jecke Gemeinschaft nur noch ein Thorso. Das Prinzenpaar Peter und Uschi ist bereits seit mehreren Jahren im Amt, vor zwei Jahren gab es die letzte Jahreshauptversammlung und statt eines Fünkchen Frohsinn herrscht in der Oestricher Bütt tote Hose. Der Verein hat noch knapp 40 Mitglieder, in Wirklichkeit sind es aber nur noch eine Handvoll Jecken, die den Verein am Leben erhalten. Die Mitglieder zahlen allerdings keinen Beitrag mehr. Bei den wöchentlichen Treffen in der Vereinsgaststätte Denniger kommen teilweise nur noch zwei oder drei Mitglieder zusammen und auch der Würstchenstand auf der Appeltatenkirmes wird nur noch von einem Häuflein Aufrechter betrieben.

Vor 25 Jahren titelte die Heimatzeitung: „Bei der Prunksitzung wackelten die Saalbau-Wände”. Die Erinnerungen gehen zurück an die Zeit, als die Oestricher Jecken nicht nur ihre Prunksitzungen zu einem Ergnis machten, sondern auch zur Weiberfastnacht und zum Kinderkarneval einluden. Mit dem Hohenlimburger Karnevalsverein wurde sogar das Rathaus gestürmt. Vorbei die Zeit, als Tanzmariechen Gaby Zörner und die Tanz-Jugend die Beine wirbeln ließen und die Veranstaltungen im Saalbau mehr als drei Stunden dauerten.

Doch dann legten sich dunkle Wolken über „Rot-Weiß”: Es gab vereinsinterne Querelen ums Geld; es folgten Rücktritte und Austritte. Ein weiteres Problem: Kaum jemand hatte noch Lust, die Prunksitzungen zu organisieren, weil besonders der finanzielle Aufwand immer höher wurde. Und noch ein Problem gab es: Die Tanzjugend wurde älter, Berufsausbildung, Uni-Besuch oder andere Interessensschwerpunkte ließen kaum noch Zeit, um die Tänze einzustudieren.

So ging es von Jahr zu Jahr bergab und eine Änderung ist nicht in Sicht.

Auch wenn es „Rot-Weiß” noch gibt, ein donnerndes „Oestrich Helau” wird so schnell nicht wieder unterhalb des Burgberges erklingen.

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