Hirse stampfen wie in Afrika
Oestrich. „Puh, ich kann nicht mehr”. Der Viertklässler hatte gerade mal zwei Minuten mit einer Stange in der Hand Maiskörner kleingestampft. Frauen in Afrika tun dies oft stundenlang. In ihrer Afrika-Woche bekamen Schüler der Bartholomäusschule ein Gefühl dafür, wie hart das Leben im Kongo ist.
In Deutschland kaufen Frauen das Mehl im Supermarkt, in Afrika müssen sie dieses Grundnahrungsmittel selbst herstellen: In schwerer körperlicher Arbeit durch Stampfen im Mörser. Wie das geht, erlebten die Kinder bei ihrer Projektwoche. Die evangelische Kirchengemeinde Letmathe hatte einen original afrikanischen Mörser mit Stampfstange in die Schule gebracht.
Solche Geräte gehören im Kongo-Dorf Boende zum Alltag. Und in Boende steht die Partnerschule der Oestricher Schüler. Wer möchte nicht gern wissen, wie die Freunde in einem fernen Land leben?! Eine Woche lang haben sich die Grundschüler in jahrgangsübergreifenden Projektgruppen mit dem Thema Afrika befasst. Da wurden T-Shirts mit Silhouetten von Löwen, Nashörnern und Giraffen bedruckt. Aus Pappe und buntem Papier entstanden „Regenmacher”-Röhren, in denen man Körner rauf- und runterrasseln lassen kann. Aus Playmobil-Figuren bauten Kinder Szenen aus dem dörflichen Leben nach, mit vielen Tieren und Bäumen. Nur die typischen Lehmhütten gab es nicht von Playmobil. Die mussten die Kinder selber basteln. Passen solche „primitiven” Behausungen nicht ins Programmkonzept der Spielzeugkonzerne?
In den Spielzeugkatalogen findet man luxuriöse Safari-Jagdhütten, die Schüler der Bartholomäusschule aber beleuchteten Afrika von der anderen Seite. Sie fragten sich zum Beispiel, wie es auf einer Krankenstation im Urwald zugeht und übten ein kleines Theaterstück dazu ein. Das wurde zum Abschluss der Afrika-Woche in der Schule aufgeführt. Verwandte bringen das Essen ins Krankenhaus, tanzen auch schon mal fröhlich ums Krankenbett oder singen ausgelassen von Jesus. Die Kinder führten es eindrucksvoll auf, dafür hatten sie sogar ein Lied in der Stammessprache Lingali gelernt.
Andere Projektgruppen boten Tänze dar, trommelten oder stellten stolz afrikanisch gewebte Tücher aus. Wieder andere hatten Plakate mit Informationen gebastelt. „Kinder in Afrika tragen Kopftücher und nicht so Sachen wie wir”, hieß es auf einem Plakat. „Und sie haben auch kein Geld.”
In allen Räumen der Schule wurde für Afrika geworben und gesammelt. In der Cafeteria gab es selbstgebackenen Bananenkuchen. Eltern und Großeltern hatten an diesem Nachmittag viel zu bestaunen.
Aus dem Verkaufserlös und aus Spenden kam ein stattlicher Betrag zusammen. Außerdem konnten für je 8 Euro Bibeln in Lingali gekauft werden, die den Bewohnern von Boende zugute kommen.
Die Bibeln und die Spenden sollen im kommenden Frühjahr nach Afrika gebracht werden. Lehrerin Ute Strombach wird gemeinsam mit Vertretern der evangelischen Kirchengemeinde Letmathe nach Boende reisen. Dort werden sie bestimmt so fröhlich mit Trommelklängen empfangen, wie der Projekt-Abschluss an der Bartholomäusschule gefeiert wurde.
