Verärgerte Häuslebauer an der Fliehburg warten auf Fertigstellung der Straße
Oestrich. Wenn das neue Eigenheim fertig ist, möchte man gerne auch eine fertige Straße vor der Tür haben. Die Anwohner im kleinen Neubaugebiet „An der Fliehburg” warten schon über ein halbes Jahr vergeblich. Ihr Pech: Nicht die Stadt ist für den Bau der Straße zuständig, sondern ein Privatmann.
Seit Monaten ist die Straße nur eine Schotterpiste, aus der hier und da wie Stolperfallen rostige Rohre der Gas- oder Wasserleitungen herausragen. Bei Regen bildet sich überall Schlamm und in den Schlaglöchern entstehen Pfützen. „Sie können sich vorstellen, wie unsere Kinder auf dem Schulweg aussehen”, schrieben erboste Anwohner vor wenigen Tagen an Bürgermeister Dr. Peter Paul Ahrens. Und in fast allen Häusern wohnen Familien mit kleinen Kindern.
Hinzu kommt, dass die Anlieger ihre Mülltonnen bis an den Rand der nächsten befestigten Straße („Am Burgberg”) schieben müssen, da die Behälter sonst - wie sie schreiben - von der Firma Lobbe nicht geleert werden. Ein großes Manko sind auch die Hauszugänge. Einige Anwohner haben aus Holzpaletten eine provisorische Eingangstreppe gebaut. Solange die Straße nicht fertig ist, können die Zugänge nicht angelegt werden.
Im August sah es so aus, als würden die schlimmen Zustände endlich beseitigt. Die Heimatzeitung hatte sich eingeschaltet und der Anwalt des Privatmanns, der für den Bau der Straße zuständig ist, sagte zu: „In drei Wochen rücken die Bagger an.”
Dieses Versprechen aber wurde nicht eingelöst. Der Anwalt legte sein Mandat zwischenzeitlich nieder. Erst als die Anwohner dieser Tage an den Bürgermeister schrieben, tauchte - wie sie berichten - plötzlich und unangemeldet ein Bauunternehmer vor ihrer Haustür auf. „Er hat uns erklärt, dass er die Straße erst im Juni nächsten Jahres bauen will”, berichtet Anwohner Sascha Steven. „Er hat das damit begründet, dass er erst noch ein weiteres Haus an der Straße bauen will.”
Der junge Familienvater dürfte nicht der einzige sein, der mit dieser Auskunft unzufrieden ist. Die Anwohner wissen nicht, ob sie der Zusage trauen können. Und sie haben offenbar nichts in der Hand, um einen schnelleren Bau der Straße verlangen zu können. Bürgermeister Dr. Peter Paul Ahrens kümmerte sich persönlich um die Angelegenheit und versprach den Anwohnern, sich für sie einzusetzen. Doch selbst er ist relativ machtlos.
Werner Bunnenberg von der Stadtverwaltung weiß, wo der Hase im Pfeffer liegt. „Die Bebauung an der Fliehburg beruht auf einem vorhabenbezogenen Bebauungsplan”, erklärt er auf Anfrage der Heimatzeitung. Die Geschichte begann vor etwa fünf Jahren damit, dass ein insolventer Unternehmer seine Grundstücke an private Häuslebauer verkaufen wollte. In diesem Zusammenhang beschloss die Stadt einen solchen Bebauungsplan, den sie rechtlich auch kaum hätte ablehnen können.
Vorhabenbezogene Bebauungspläne haben laut Bunnenberg den Vorteil, dass sie das Verfahren vereinfachen und die Bebauung beschleunigen können. Auf der anderen Seite wird fast alles über private Verträge geregelt. Die Stadt hat nur Einfluss über die Baugenehmigung für die einzelnen Häuser und die übliche Bauaufsicht.
Zu welchem Zeitpunkt oder innerhalb welchen Zeitraums die Straße fertiggestellt werden muss, scheint nirgendwo festgelegt. Anwohner Sascha Steven hat in seinen privaten Verträgen vergeblich nach einem Passus gesucht. Und auch die Stadt scheint da kaum Einfluss zu haben. Es gibt zwar einen Durchführungsvertrag mit dem Erschließungsträger. Doch darin steht laut Bunnenberg nur, dass nach Abschluss der Gesamtmaßnahme inklusive aller Häuser die private Straße vernünftig an die öffentliche Straße An der Fliehburg angeschlossen werden muss. Die Anwohner hoffen weiter und bauen darauf, dass der Bürgermeister sie nicht im Regen stehen lässt.
Weder der Bauunternehmer noch sein Auftraggeber waren für eine Stellungnahme zu erreichen
