Viel Schrilles zum Lachen und kleiner Kostümrausch: Beifall für die Volksbühne
Letmathe. Viel Schrilles zum Lachen, turbulente Klamaukszenen, dazu ein kleines „Kostümfest” mit Überraschungen und ein bisschen Gesangs-Comedy. Das Publikum zeigte mit großem Applaus, dass es von der Aufführung der Volksbühne Grürmannsheide begeistert war.
Mal ehrlich, ist es nicht viel schöner, in einem lachenden Publikum zu sitzen als einsam vor dem Fernseher?! Am Samstag, als die Volksbühne im nicht ganz vollen Saalbau spielte, hatte es die Flimmerkiste auf jeden Fall verdient, unbeachtet im Wohnzimmer zu verstauben.
Zwei Stunden herzerfrischende Unterhaltung. Zwei Stunden Wellness durch entspanntes Schmunzeln und befreiendes Lachen. Was die Laienschauspieler bei der Komödie „Liebe und andre Katastrophen” präsentierten, traf den Nerv dessen, was das Publikum sehen will. Leichte Kost mit zwerchfellerschütterndem sprühenden Unsinn.
Mehrere Frauen und Männer gehen fremd, um nach einigen Abenteuern zu erkennen, dass ihr Ehepartner vielleicht doch der Bessere ist. Was bietet eine solche Story nicht alles an Witzen über das Verhältnis der Geschlechter! Ein bisschen schlüpfrig und turbulent. Das macht Spaß. Schön, wenn man sexuelle Zweideutigkeiten so unver krampft darbieten kann. Dazu ein Butler und eine Hausdame, die aus den Rollen fallen. Wenn der liebestolle Italiener auf dem Sofa über seine „bella Ragazza” herfällt oder mit ihr auf dem Steckenpferd durchs Wohnzimmer reitet, kann man nur losprusten. Und kein Lachmuskel bleibt unter Kontrolle, wenn der Butler die soeben mit dem Gewehr niedergestreckte Hausdame auf demselben Sofa von Mund zu Mund -Taschentuch dazwischen - beatmet.
Drei Darsteller verdienen diesmal ein besonderes Lob. Andre Gocz beeindruckte als temperamentvoller Italiener mit eleganter Gestik und tollem Sprachakzent. Gabi Falk imponierte ausdrucksstark als resolute Hausdame, die zur Furie werden kann. Und Jenny Hülser bekam Sonderapplaus als Primadonna. Herzerfrischend dilettantisch sang sie das Lied von der Vogelhochzeit im Stil einer Arie. Und bewies dem lachenden Publikum, dass sie zweifellos die beste aller Operndivas ist, die man nur in einem Stummfilm auftreten lassen sollte. Andre Gocz tat es ihr nach. Als musikalischster Herzensbrecher aller Chaos-Carusos
Unbedingt zu erwähnen ist die originelle, aufwändige Kostümierung. Die korpulente Madame im rosa-weißen Schlafanzug oder die beiden Ehemänner, die plötzlich in knabenhaften Matrosenanzügen dastanden, das allein löste Lachsalven aus. Dazu der eine oder andere Adonis im Boxershort! Auch Beleuchtung, Bühnenbild und Ton trugen zum Gesamterfolg bei. Schade nur, dass der Spielfluss mitunter durch Textunsicherheiten leicht ins Stocken geriet. Das trübte den guten Gesamteindruck aber nur wenig.
