Aufsteller wollen auch nach zehn Jahren anonym bleiben

24. Oktober 2009 - 9:12

Grüne/Oestrich.Seit zehn Jahren steht das stählerne Gipfelkreuz auf dem Pater-Felsen. Die Männer, die es heimlich errichteten, haben den Jahrestag jetzt stolz der Heimatzeitung gemeldet. Doch noch immer scheuen sie sich, ihre Namen öffentlich preiszugeben.
Schließlich war es anfangs eine illegale Aktion. Plötzlich, an einem Sonntag, eben jenem 24. Oktober 1999, stand das Kreuz auf dem sagenumwobenen Felsen und glänzte in der Sonne. Viele rieben sich die Augen, denn niemand wusste, wie es dorthin gekommen war. Bis auf die neun Männer, die das Kreuz bergauf geschleppt hatten, während in St. Kilian die Glocken zur Messe läuteten.

„Wir haben es mit Säcken von der Schledde aus durch den Wald getragen,” verrät einer der Neun beim Besuch in der Redaktion. Bereitwillig plaudert er über alles, was ihn und seine Mitstreiter damals bewogen hat, die außergewöhnliche Idee umzusetzen, und was sie dabei und in den Jahren danach erlebten. Seinen Namen nennen und die der anderen will er aber auf keinen Fall. Wie erwähnt, die Aktion war ordnungswidrig. Und wer weiß, ob nicht auch nach zehn Jahren noch etwas „nachkommt”.

Da das Felsenpaar „Pater und Nonne” in einem Naturschutzgebiet steht, hätte das Kreuz nur mit behördlicher Genehmigung aufgestellt werden. Zumindest hätte der Grundeigentümer gefragt werden müssen. „Darüber haben wir uns gar keine Gedanken macht”, weist der Besucher der Redaktion jedes Unrechtsbewusstsein zur Tatzeit von sich.

Ganz so schlimm könne die Kreuzerrichtung ja nicht gewesen sein, argumentiert der „Mittäter” von damals. Er erinnert an die Ereignisse, die dem Coup der neun Männer folgen sollten und die aus der Ferne manchmal den Anschein einer Provinzposse erweckten. Kaum stand das Kreuz, ließ das Kreisumweltamt es wegen fehlender Genehmigung absägen. Kaum war es weg, ging ein Aufschrei der Empörung durch die Bevölkerung. Das Kreuz muss wieder her! Und nachdem sich insbesondere der Ortsring Oestrich dafür eingesetzt hatte, wurde es im März 2002 wiedererrichtet. Nach vielem Hin und Her, ordnungsgemäßer Beschlussfassung und mit amtlichem Segen.

Auf der Seiser Alm in Südtirol war die Idee zum Pater-Kreuz geboren worden, und zwar im September 1999, wie sich der Besucher in der Redaktion erinnert. Neun Männer aus Iserlohn, Hemer und Menden (keiner von ihnen ist Letmather) hatten dort in über 2000 Meter Höhe in einer Berghütte zusammengesessen. Sie hatten als gestandene Männer zusammen schon viele gemeinsame Bergtouren in den Alpen erlebt und das Gipfelkreuz, wenn auch nicht unbedingt im christlichen Sinne, so doch als schönes Symbol schätzen gelernt. Es wäre schön, so etwas auch in heimischen Gefilden zu haben, überlegten sie. Und da kam als möglicher Standort sofort das Felsenpaar „Pater und Nonne” ins Spiel.

Kaum waren die Männer wieder zuhause, dauerte es nicht lange, bis ein Sponsor und eine Metallwerkstatt gefunden waren. Mit Flugzeugtragflächenkleber wurde das Kreuz sturmsicher befestigt Dabei machten sich die Männer das Vorhandensein einer im Fels verankerten Metallhülse zunutze (Reste einer alten Seilbahn?).

In den ersten Jahren stiegen die Männer schon mal gelegentlich zu ihrem Kreuz hoch, um es von Vogelkot zu befreien und blank zu putzen. Ob sie das zum kleinen Jubiläum am heutigen 24. Oktober auch noch mal tun? Oder ist das jetzt Sache des Heimatvereins? Vielleicht sollte man mal hinaufschauen, ob das Kreuz ein wenig „Geburtstagsglanz” aufgelegt hat.