Günter Krüger: Schnadegänger, Ja-Sager und Initiator
Oestrich. 33 Jahre lang war Günter Krüger Presbyter und Kirchmeister der evangelischen Kirchengemeinde Oestrich-Dröschede, am Sonntag wird er in einem Festgottesdienst um 10 Uhr verabschiedet.
Am 27. September hat Günter Krüger seinen 75. Geburtstag gefeiert und mit der Vollendung dieses Lebensjahres scheidet ein Presbyter nach der Kirchenordnung aus dem Leitungsorgan der Kirchengemeinde aus.
Krüger kam 1971 von Hamm nach Oestrich und arbeitete bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1999 bei der Staatsanwaltschaft Hagen. „Es war der damalige Oestricher Pfarrer Günter Arndt, der mich 1976 ansprach, ob ich nicht Presbyter in der Kirchengemeinde werden möchte”. Erstaunlicherweise wurde er mit vielen Stimmen gewählt, obwohl er im Dorf noch ziemlich unbekannt war. „Ein kleiner Trick hat dabei geholfen”, so Krüger schmunzelnd. „Ein paar Wochen vor der Wahl habe ich bei der Frauenhilfe einen Vortrag über das Erbrecht gehalten. Daher war ich in der Frauenhilfe bekannt und die Damen haben mir ihre Stimmen gegeben”.
Zunächst wirkte Günter Krüger ehrenamtlich als „normaler Presbyter” in der Gemeinde, Ende der 70er-Jahre wurde er dann zum stellvertretenden Kirchemeister gewählt und trat nach dem Ausscheiden des Kirchmeisters Wilhelm Rüsch dessen Nachfolge an.
„Um mich in das Amt einzuarbeiten, musste ich mir viel aneignen”, so Krüger. „Zunächst habe ich mir ein Grundbuch und Katasterkarten zur Hand genommen, damit ich wußte, welche Grundstücke der Kirchengemeinde gehören. Anschließend habe ich ,Schnadegänge' unternommen, um die Grundstücke in natura zu sehen”.
Es gab auch stürmische Zeiten in seiner Amtszeit. Nach der Ära Arndt hatte das Presbyterium einen neuen Pfarrer zu wählen. Als Kandidat stand Pfarrer Rolf Gerkrath zur Wahl, doch dieser spaltete das Oestricher Presbyterium. Da gab es auf der einen Seite vier „Ja–Sager”, auf der anderen Seite die vier „Nein”-Sager. Bei den Abstimmungen herrschte stets eine Patt-Situation. Letztlich zogen es die „Ja-Sager” vor, ihre Ämter niederzulegen, was eine Neuwahl des Presbyteriums bedeutete. Wie das Leben so spielt: nach der Wahl waren die Pro-Gerkrath-Presbyter wieder im Amt und die Contra-Gerkrath-Presbyter wurden nicht wiedergewählt.
Zwei Jahre lang war in dieser Zeit die Oestricher Pfarrstelle vakant und Krüger hatte als Kirchmeister die Gemeinde nach Außen hin zu vertreten. Mit der Wahl von Pfarrer Ferdinand Becker kehrte dann wieder für 17 Jahre Ruhe ein und nach Pfarrer Becker gab es erneut Probleme. Einige Monate nach der Wahl von Thomas Gutzmann als Becker-Nachfolger erschütterte ein schlimmer Vorfall die Gemeinde: Thomas Gutzmann wurde wegen sexueller Belästigung von Schutzbefohlenen verurteilt. Unter dem jetzigen Pfarrer Peter Stuberg wirkte Krüger dann noch für etwa zwei Jahre.
Die Funktion des Protokollschreibers im Presbyterium ist untrennbar mit Günter Krüger verbunden. „Das Amt habe ich nach meiner Wahl von Else Bäcker übernommen”, so Krüger. Damals wurden die Details noch in ein Buch geschrieben.
Die elektronische Datenverarbeitung ist ein ganz besonderes Hobby von Günter Krüger, das er im Laufe der Jahre immer öfter für die Kirchengemeinde eingesetzt hat. Besonders stolz ist er auf sein Suchsystem „Findex”. Fragt man ihn beispielweise nach der letzten Orgelinspektion, so hat er auf Anhieb das Datum parat. Weiterhin hatte Krüger noch das Amt des Friedhofsbeauftragten inne. Er ließ den Friedhof vermessen, teilte ihn in 11 Felder ein, gab alles in den Computer ein und kann heute sofort die Lage einer Grabstätte benennen.
In seiner Amtszeit, auf die er gerne zurückblickt, wurden auch durch seine Initiative zahlreiche Projekte verwirklicht, beispielsweise der Umbau des Konfirmandensaales, der Einbau einer Toilette in der Kirche, der Bau eines Gerätehauses auf dem Friedhof, die Renovierung der Liesenhoffschen Kapelle oder auch jüngst der Bau des neuen Seniorenwohnheims.
