Männerchor bot Musik, die direkt zu Herzen geht

5. Oktober 2009 - 18:32

Oestrich. Über viele Jahrzehnte haben sie das Repertoire der Gesangvereine geprägt - dann wurden sie zum Teil verdrängt durch moderne, internationale Lieder. Der Männerchor Oestrich hat ihnen am Samstag wieder ein ganzes Konzert reserviert: den deutschen Volks- und volkstümlichen Kunstliedern.
„Singendes Land” lautete der treffende Titel der musikalische Reise durch deutsche Landschaften oder solche, die es einmal waren. Und gleich ob auf der Heide, in den Bergen, im Rheinland, in Schlesien oder in Bayern, die Oestricher Sänger schienen sich überall gleichsam zuhause zu fühlen.

Kein Zweifel, die meisten der Männer auf der Bühne lieben diese Lieder, die sie einst in jungen Jahren kennenlernten und die sie durch ein langes Sängerleben begleitet haben. Zu Unrecht vorverurteilen jüngere Semester oft diese Lieder als Kitsch. Schwelgende Melodien und warme Harmonik gehen, wenn man einfach nur zuhört und die zugegebenermaßen altertümlichen Texte in die Zeit ihres Entstehens einordnet, zu Herzen. Im Publikum begann so manches Auge zu glänzen und so mancher Oberkörper wiegte sich im Takt.

Die Dirigentin Alma Dauwalter hatte aber bei den Proben offenbar dafür gesorgt, dass der Chor nicht in Gefühlsduselei abglitt, sondern immer auf dem Boden der musikalischen Tatsachen blieb.

Perfekt zum Programm passte auch der Solist Cud Kegel, der mit seinem strahlenden Tenor die Emotion der Lieder nicht unterdrückte, aber in seinen Ansagen auch immer ein bisschen ironische Distanz aufblitzen ließ. Begleitet von Viktoria Ibsch, erwies sich Cud Kegel als geschmackssicherer und virtuoser Interpret, von lange nicht gehörten Evergreens wie „Ich bin nur ein armer Wandergesell”, „Vor meinem Vaterhaus steht eine Linde” oder dem „Schwalbenlied”.

Das von Willy Trapp arrangierte Potpourri von Liedern aus deutschen Landschaften endete mit „Kein schöner Land” - was gleich zweimal gesungen wurde. Bei der Wiederholung gemeinsam mit dem begeisterten Publikum, das mit Applaus für alle Mitwirkenden nicht sparte.